Asperger Autismus und Hochbegabung sind Phänomene, die Menschen schon immer fasziniert haben. Nachdem immer mehr Menschen bereit sind, über ihre Persönlichkeitseigenschaften öffentlich zu berichten, dürfen sich endlich auch Menschen mit Hochbegabung und/oder Asperger Autismus „outen“. Doch es gibt nach wie vor viele Fehlinformationen über Asperger Autismus und Hochbegabung. Damit möchte dieser Artikel etwas aufräumen…

Was bedeuten Asperger Autismus und Hochbegabung?

Fachlich kurz zusammengefasst zählen sowohl der Kanner-Autismus als auch der Asperger Autismus zu den sogenannten „schwerwiegenden Entwicklungsstörungen“ mit Beginn in der frühen Kindheit. Der „Kanner-Autismus“ ist gekennzeichnet durch erhebliche Schwierigkeiten im Spracherwerb und Sprachausdruck, meist auch einer Intelligenzminderung und motorischen Problemen, gefolgt von erheblichen Schwierigkeiten im sozialen Kontakt und der Kommunikation sowie stark eingeschränkten Interessen oder auch einem ausgeprägten Spezialinteresse und einer Vielzahl an repetitiven (immer wiederkehrenden und immer gleichen) Verhaltensweisen. Menschen mit Kanner-Autismus sind umgangssprachlich jedoch meist nicht gemeint, wenn von „Autismus“ die Rede ist.

Der „Asperger Autismus“ bezeichnet die sogenannte „milde Form des Autismus“, d. h. eine Form von Autismus, bei der jedoch der Spracherwerb und der Sprachausdruck und meistens die Intelligenz nicht beeinträchtigt sind. Viele Menschen mit Asperger Autismus verfügen sogar über eine hohe Intelligenz oder sind hochbegabt. Da die Übergänge oft fließend sind, hat man vor wenigen Jahren den Fachbegriff der „Autismus-Spektrum-Störung (ASS)“ geprägt. Autismus und Asperger Autismus werden als Behinderung anerkannt, und wer diese Diagnose hat, der kann einen Schwerbehindertenausweis beantragen. Etwa 2% der Menschen sind gemäß ICD 10/ICD 11 betroffen.

Hochbegabung und Hochintelligenz sind zusammengefasst die Beschreibungen für eine sehr hohe Intelligenz (etwa 10% der Bevölkerung, gemessen durch einen IQ Test, zählen zu den „Hochintelligenten“, davon etwa 2% zu den „Hochbegabten“), die sich vor allem in einer sehr hohen Denk- und Lerngeschwindigkeit äußert, damit verbunden einer anders gelagerten Interessenverteilung und eben auch einem anderen Anspruch an Kommunikation und soziale Kontakte, der sich deutlich von der Mehrheit der Bevölkerung unterscheidet. Hochbegabung und Hochintelligenz ist bis heute keine „Störung mit Krankheitswert“ und daher auch kein Bestandteil des Leistungskatalogs der Krankenkassen oder Krankenversicherungen.

Obwohl über „Hochbegabung bei Kindern“ und „Hochbegabung bei Erwachsenen“ in den letzten Jahren sehr viel berichtet und publiziert wurde, ist der Begriff „Hochbegabung“ in unserer Gesellschaft zwar etabliert, jedoch eher negativ besetzt. „Hochbegabung“ löst bei vielen Menschen, meist aus Unwissenheit oder Fehlannahmen, Neid, Unterlegenheitsgefühle und Angst aus. Wer sich als Erwachsener mit Hochbegabung outet, erntet bis heute oft Spott und Hohn, wird als „Spinner“ belächelt oder sogar ausgegrenzt. Eltern, die hochbegabte Kinder haben, erleben häufig Ablehnung, Unverständnis oder werden sogar diskriminiert.

Gemeinsamkeiten von Asperger Autismus (ASS) und Hochbegabung

Sowohl Hochbegabung und Asperger Autismus als auch Hochsensibilität und Synästhesien werden mittlerweile unter dem Begriff „Neurodiversität“ zusammengefasst. Grundlage ist vereinfacht ausgedrückt ein „anders“ funktionierendes Nervensystem mit einer höheren komplexeren Verknüpfung von Verbindungsstellen (Synapsen) im Gehirn.

Menschen mit Asperger Autismus (häufig liebevoll als „Aspies“ bezeichnet) und Hochbegabung haben einige Gemeinsamkeiten, vor allem im Hinblick auf Kommunikation und soziale Kontakte. So hat Kommunikation sowohl für Menschen mit Asperger Autismus als auch für Menschen mit Hochbegabung vor allem die Funktion des „relevanten oder bedeutsamen Informationsaustauschs auf der Sachebene“. Wenn man miteinander spricht, so macht man das also, um neue und hoffentlich interessante Informationen zu erhalten. Der in unserer Gesellschaft allseits so beliebte „Small Talk über das letzte Fußballspiel oder das Wetter“ ist sowohl für Menschen mit Asperger Autismus als auch für Menschen mit Hochbegabung meist zu oberflächlich und beinhaltet keine relevante oder bedeutsame neue Information. Die Information über das letzte Fußballspiel kann ich nachlesen, falls es mich interessiert, und ich sehe, dass es draußen gerade regnet, das ist trivial, und darüber brauche ich mich nicht zu unterhalten.

Daher hassen sowohl die Menschen mit Asperger Autismus als auch diejenigen mit Hochbegabung meistens den „Small Talk“ oder die Teilnahme an Parties, und häufig werden auch Treffen für „geselliges Beisammensein“ oder Mainstream-Aktivitäten gemieden, weil andere Beschäftigungen für Hochbegabte oder Aspies meist spannender sind.

Und nachdem Menschen mit Asperger Autismus und mit Hochbegabung im Vergleich zur Gesamtbevölkerung in der Minderheit sind und sich so „anders“ fühlen, wirken sie oft so, als hätten sie kein Interesse an anderen Menschen und isolieren sich häufig oder wirken arrogant. Was de facto meistens nicht stimmt.

Menschen mit Asperger Autismus und mit Hochbegabung wünschen sich einen Austausch „auf Augenhöhe“, ohne sich erklären oder in ihrer Denkgeschwindigkeit oder in den Themensprüngen bremsen zu müssen, weil andere „nicht mitkommen“. Sie wünschen sich Akzeptanz, Integration und Verständnis. Genau dafür wurde CLEVER PEOPLE erschaffen – das besondere Netzwerk für Hochbegabung und Asperger Autismus. Dr. Karin Joder, Privatpraxis für Hochbegabung.